Wir sind immer wieder erstaunt, wie viel Kraft in der ukrainischen Jugend steckt. Unser Art Camp Team konnte wieder einmal erleben, wie schön der Zusammenhalt der Jugend und gemeinsame Aktivitäten in der Natur sein können.

Ukraine, War in Ukraine, ukrainian Children. Art Camp for refugee children: Bas-reliefs from the sculpturing workshop © Marharyta Kurbanov
Flachreliefs aus der Bildhauerwerkstatt © Anna Kyshynkska

Vom 21. März bis 2. April organisierten wir erneut ein Kunstcamp (“Horitsvit”) für Kinder, die vor dem Krieg in der Ukraine geflohen sind. Es fand im Oriana Center (Dragobrat) im Westen des Landes statt.

Vorbereitet und durchgeführt wurde das Camp von einem Team aus Kuratoren, einem Psychologen, einem Wanderführer, einem Musiker, einem Filmemacher, einem Künstler und einem Bildhauer.
Wieder einmal hatten wir zu viele Anmeldungen – was für uns natürlich nur eines bedeuten kann: Wir werden weitermachen. Auch in Zukunft wird es immer wieder Art-Camps geben, denn die glücklichen Gesichter, die vielen Geschichten und Tragödien lassen uns keine andere Wahl.

Kinder aus allen Teilen der Ukraine

Wir hatten 244 Bewerbungen und konnten 26 Teilnehmer im Alter zwischen 12 und 15 Jahren zu unserem Camp einladen. Die jungen Leute kamen aus den Gebieten…

  • Donetsk (Donetsk, Khartzsk, Mariupol, Bilytske, Kramatorsk, Jasynuvata, Debaltseve, Horlivka)
  • Rivne (Gosha)
  • Vinnytsia (Hlukhivtsi)
  • Kharkiv (Kharkiv, Izyum)
  • Zaporizhzhia (Berdiansk, Shchaslyve)
  • Mykolaiv (Mykolaiv)
  • Kyiv (Kyiv)
  • Luhansk (Sievierodonetsk)

Der Schrecken des Krieges brennt sich in die Seelen der Kinder. © Marharyta Kurbanova
Der Schrecken des Krieges brennt sich in die Seelen der Kinder. © Anna Kyshynkska

23 Kinder hatten den Status von Binnenvertriebenen, das heißt, sie mussten aus ihrer Heimat fliehen, leben aber weiterhin in ihrem Heimatland, der Ukraine. Acht Kinder haben Eltern, die an der Front für die Ukraine kämpfen, drei Kinder haben ihre Eltern durch den Krieg verloren.

Große Vielfalt an Aktivitäten

Das Thema des Camps war das Phänomen der Transformation, mit dem wir uns in einer Vielzahl von Aktivitäten und Workshops beschäftigten.

  • Morgens
    Jeder Morgen begann mit Yoga-Bewegungen, Atemübungen und einer Vielzahl anderer Aktivitäten, die Körper und Geist auf einen neuen Tag vorbereiten.

    Die Jugendlichen setzten sich mit den Themen Flexibilität, Veränderung, Stereotypisierung und Vorurteile auseinander. Sie tauschten ihre Erfahrungen mit Einsamkeit aus und halfen sich gegenseitig, indem sie darüber sprachen, wie sie soziale Distanzen überwinden können. Sie sprachen auch darüber, wie sie ihre eigene Aufmerksamkeit besser kontrollieren und ihre Konzentration stärken können.

    Die Kinder sprachen auch über die Grundlagen der Demokratie und hatten die Gelegenheit, in Gruppenarbeit eigene Programme zu erstellen, sie dem Publikum zu präsentieren und faire demokratische Wahlen zu erleben.
  • Mittags
    Am Mittag begannen die Workshops.
    Im Theaterworkshop setzten sich die Teilnehmer mit dem Thema Fabelwesen der Karpaten auseinander, kreierten eigene Figuren, schrieben kurze Aufsätze und entwickelten daraus eine gemeinsame Aufführung.

    Im Bilderworkshop zeichneten die Jugendlichen ebenfalls ihre Figuren und entwarfen anschließend ihre eigenen Kostüme für die Aufführung.

    Im Gesangsworkshop sangen die Kinder traditionelle Frühlings- und Wiegenlieder und lernten moderne Lieder der ukrainischen Musikkultur.

    Die Jugendlichen, die sich für den Malworkshop entschieden hatten, konnten verschiedene Maltechniken erlernen, über die Natur der Farben fantasieren und ihre inneren Bilder mit Pinsel und Stiften verkörpern.

    Die Teilnehmer des Bildhauer-Workshops stellten Flachreliefs her, modellierten nach dem Leben und arbeiteten an ihren eigenen Projekten.
  • Und außerdem
    Die Zeit im Camp wurde auch mit Spielen gefüllt, damit sich die Teilnehmer besser kennenlernen konnten.

    Spiele, die die Kommunikation förderten und zu einem stärkeren Gruppenzusammenhalt beitrugen.

    Spiele, bei denen Aggression, Ärger und Wut erlaubt waren und die zu einer lebhaften Reflexion der Teilnehmer über ihre Sicht der Welt führten.

    Teamspiele zur Stärkung des Vertrauens und zum Aufbau freundschaftlicher Beziehungen in der Gruppe.

    Tennis, Billard, Kinobesuche, Saunagänge, Teezeremonien und vieles mehr.
Musik bringt Menschen zusammen. © Marharyta Kurbanova
Musik bringt Menschen zusammen. © Anna Kyshynkska

Natürlich durfte auch das große Finale nicht fehlen. Schließlich hat jeder, der sich künstlerisch betätigt, eine Geschichte zu erzählen – und dafür braucht er ein Publikum. So gab es am letzten Abend des Camps eine schöne Aufführung. Hier konnten die jungen Leute ihre kreativen Arbeiten, Darbietungen und Eindrücke präsentieren.

Regelmäßige Spaziergänge und Wanderungen zum Svydovets-Kamm stärkten zudem den Gruppenzusammenhalt und sorgten dafür, dass wir alle unsere Batterien wieder aufladen konnten. Die Interaktion mit der Natur ist der perfekte Katalysator dafür.

Wir freuen uns schon auf das nächste Camp. Die Kraft der Jugend gibt uns die Stärke, unsere Arbeit fortzusetzen.

Alle Fotografien wurden von Anna Kyshynkska geschossen.